Seniorentreff

Aussergewöhnlicher Seniorennachmittag über Dr. Beat Richners Wirken

Zahlreiche Zuhörer waren am letzten Mittwoch zum Seniorentreff in den Pfarrhaussaal in der Via Tuma Platta 12 gekommen. Das Leben und das Wirken des bekannten Kinderarztes Dr. Beat Richner, auch „Beatocello“ genannt, war das interessante Thema. Viele wissen: Krankheitshalber musste Dr. Richner vor einiger Zeit die Leitung des Spitals abgeben.  Beeindruckend, einzigartig ist der Lebensweg dieses Kinderarztes, der auch hätte Musiker werden können. Der nicht vorhersehbare Lebensweg führte ihn am Ende zur Gründung von mehreren Kinderspitälern in dem vom Krieg und ideologischen Kämpfen schwer gezeichneten Kambodscha. Frau Dr. Anna-Regula Lutz-Richner, seine Schwester, Mitglied unserer Kirchgemeinde, zeichnete lebendig und anschaulich die wichtigsten Stationen seines Wirkens als Kinderarzt und Kabarettist/Musiker/Künstler nach –unter Zuhilfenahme des Films „l’ ombrello di Beatocello“, den Georges Gachot 2013 gedreht hat: Hier sieht man Schwarz-weiss-Aufnahmen von den Anfängen am Paradeplatz mit seinem Cello und den verschiedenen roten Schirmen, seine humorvolle und zugleich sehr einfühlsame Betreuung der Kinder im Kinderspital Zürich einst (mit dem Cello). Seine Aufenthalte mit dem Roten Kreuz in Biafra und jenem fernöstlichen Kambodscha, mit dem sein Wirken heute einzigartig verbunden ist. 1974/75 reiste er zum ersten Mal hierhin. Seine Eindrücke dort liessen ihn nicht los. In einem Kinderbuch, mit Text und originellen Zeichnungen, vermittelte er dem Leser die Not der hungernden Kinder. 1991 wurde Dr. Richner von der Regierung mit dem Bau eines Kinderspitals beauftragt, er sagte zu. Keineswegs wollte er sich ein Denkmal setzen, sondern fühlte sich immer durch die grosse Not vor Ort gerufen, hat auch die ständige Frage der Finanzierung all dieser medizinischen Hilfe als Last und hohe Aufgabe empfunden. 1992 wurde auf seine Initiative hin eine Stiftung in Zürich gegründet, Dr. Richner gab seine blühende Zürcher Kinderarztpraxis auf und zog nach Phnom Penh um. Im Dezember 1991 konnte schon das erste Kinderspital eingeweiht werden. Ein Jahr später hatte er übrigens auch einen Auftritt hier in Domat/Ems, in der Mehrzweckhallte. Die weitere Geschichte der noch folgenden Spitalgründungen ist bekannt.

In dem eindrucksvollen Film erfährt man, wie alle Mitarbeiter der verschiedenen Hospitäler die Pionierarbeit und die kontinuierliche fürsorgliche und bestens organisierte Leitung von Dr. Richner schätzen. Einige hatten Tränen in den Augen, als sie darüber befragt wurden, gehörten sie doch–heute um die 30-40Jahre alt- zu den Kindern einer Kriegsgeneration, die ohne die medizinische Hilfe von den neuen Spitälern nicht hätten überleben können. In einer Szene sieht man Beat Richner lächeln, als er eine Dokumentation über seine Anfänge in Zürich und Kambodscha im Film mit anderen zusammen ansieht. „Glück“ kann man nicht „intendieren“, erzwingen –sondern es ist das Ergebnis von guten Taten, würde Viktor Frankl sagen. Die Taten, das sind viel Mitgefühl, die Sorge um jeden einzelnen Patienten, das ist die erfolgreiche Vorbeugung gegen jede Art von Korruption, die Dr. Richner immer wieder heraushebt, das ist Medizin, die die menschliche Beziehung schätzt und nicht nur die nackten Zahlen und Berechnungen, das ist seine respektvolle Gleichbehandlung aller Mitarbeiter und Anvertrauten. In dem Film sah man auch, dass der gute Geist der Menschlichkeit weitergeht, auch wenn, wie Frau Dr. Lutz ausführte, ihr Bruder leider nicht mehr die Kraft und das Vermögen hat, sein eindrucksvolles Lebenswerk weiter zu verfolgen. Das war –bei allem Mitgefühl für die Krankheit Dr. Richners - eine grosse Freude, auf den Gesichtern und im Herzen der kambodschanischen Mitarbeiterschaft den festen Willen zu erkennen, das begonnene humanitäre Werk fortzusetzen. In einer Welt, die –nach all dem, was man schon in Kambodscha sehen kann, sich zur Aufgabe machen müsste, die Kriege abzuschaffen, auch zum Wohle der Kinder, die auch das Recht haben, in Frieden aufzuwachsen. Wie jeder Mensch.

Auf die Anregung einer Zuhörerin, organisierten wir –nach einer angeregten Fragerunde- spontan eine Kollekte. 444 Franken kamen zustande! Jaqueline Crameri überreichte Anna-Regula Lutz zum Dank einen Blumenstrauss, Pfr. Goll schloss den sehr bewegenden Nachmittag mit einem Wort von Albert Schweitzer: „Mit Zuversicht darf man die Menschen zur Hingabe an den Geist des Friedens auffordern. Wer es im Ernste tut, wird keine Enttäuschung erleben, sondern einer Freudigkeit, die er nicht kannte, teilhaftig werden.“

 

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