Wochenbesinnung

Wochenbesinnung Bettag 2018

Der berühmte Rabbi Chaim von Zans, wird berichtet, sagte:

„Als jung war, wollte ich die ganze Welt verbessern. Dann habe ich eingesehen, dass ich es nicht schaffen kann. Später wollte ich auch nur meine Stadt zu Einsicht und Gottesfurcht bringen. Auch das konnte ich nicht erreichen. Dann wollte ich wenigstens meine Familie verbessern. Auch dies ist mir nicht gelungen. Schliesslich wollte ich mich selbst verbessern. Bis heute ist mir auch das nicht gelungen.“ (aus: Schemuel Daum, Rabbinische Weisheiten zum Pentateuch)

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag, der seit vielen Jahren in der Schweiz ökumenisch gefeiert wird, bietet die Gelegenheit zum Innehalten, zum In-Sich-gehen. Zu einer sinnvollen und notwendigen Entschleunigung. Zur Busse. Zum Danken und zum Bitten. Eine Kostbarkeit.

Entschleunigung in einer Zeit, die schnelllebig ist, die im sog. „digitalen Zeitalter“ die Sekunden zählt und blitzschnelle Antworten und Entscheidungen fordern kann. Doch die schönste Digitalisierung bewahrt uns nicht davor, einmal (Zwischen-)Resumée zu ziehen, von unserem Leben, vor Gott, vor dem, was sein Wille ist und nicht immer unserer. Und das ganz wichtig zu nehmen, vor allem anderen.

Rabbi Chaim von Zans tut dies bescheiden und demütig. Auch wir haben keinen Anlass hochmütig zu sein. Wir dürfen und sollen auch Gott bitten:

Vergib uns, lass uns immer wieder freudig zu dir umkehren, jeden Tag. Wir dürfen beten mit Psalm 71: „Auf dich Herr, vertraue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden! Errette mich nach deiner Gerechtigkeit und befreie mich; neige dein Ohr zu mir und hilf mir! Sei mir ein Hort der Zuflucht, eine feste Burg….“.

Die Busse, Umkehr, Metanoia, (griech.: Umkehrung des Denkens, des Sinns) ist etwas Freudiges. Neu werden wir in Gott verankert, ausgerichtet, in Jesus Christus unserem Herrn. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn wird am Schluss gefeiert. Das Beste wird für den verlorenen Sohn aufgetischt. Der ältere Sohn, der immer beim Vater war, muss das noch begreifen, wie gross die Freude „im Himmel“ ist, wenn ein Sünder umkehrt, jemand sich wieder ganz an Gott, den Vater im Himmel –wie wir beten- halten will. So gehört zur Busse, zur Bitte und zum Dank auch, dass wir anderen Menschen eine Chance geben, Geduld haben, Gott um Geduld bitten, mit ihnen –und wie bei Rabbi Chaim von Zans sieht, auch mit uns.

Der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist auch ein gemeinsames schweizweites Fest der Solidarität mit den Schwachen, den Anderen, denen, die es nötig haben, in der Nähe und Ferne. Die diesjährige Botschaft der Bündner Regierung spricht es auch an: „Der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag stellt uns vor die Frage, wie wir alle Gemeinschaft bauen und erhalten können, was uns Gemeinschaft wert ist, wo sie ihre Wurzeln hat und wo und wie sie Starke und Schwache zusammenführt.“

Auch diese Aufgabe kann uns kein noch so schöner App abnehmen, dies im Alltag zu versuchen, ist jeder von uns angesprochen.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten und fruchtbaren Dank-, Buss- und Bettag.
Herzlich sind wir zu den Gottesdiensten eingeladen, unseren Willen auch kundzutun.

Es grüsst Sie herzlich

Ihr Hans Walter Goll, Pfarrer

 

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