Wochenbesinnung

 „Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören“
(Psalm 91,15)

Das ist das entsprechende Bibelwort zum Sonntag „Invokavit“. Weniger als 50 Tage vor Ostern wird er am nächsten Sonntag gefeiert. Psalm 91 ist ein bekannter, sehr eindrücklicher Psalm. Er beginnt schon tröstlich und zuversichtlich: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der sprich zu dem Herrn: Mein Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“

Die Verse 11 und 12 werden gerne als Taufspruch ausgewählt: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuss nicht an einen Stein stossest.“

„Ich will ihm zeigen mein Heil.“ : So endet dieser Vertrauenspsalm, der in der Lutherbibel mit „Unter Gottes Schutz“ überschrieben ist.

Das Wort in Vers 15 erinnert uns daran, dass wir Gott treu sein sollen. Und diese Treue zeigt sich darin, dass wir in seinem Namen Gutes tun und uns bemühen, den Frieden und die Gerechtigkeit in unserer Welt auszubreiten. Mit Hilfe des Heiligen Geistes, der uns verheissen ist. Diese Treue zeigt sich aber auch in der steten Anrufung Gottes im täglichen Leben. Das sollen wir und das dürfen wir. So wie es in Psalm 16, Vers 8 heisst: „Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so wanke ich nicht“ (Zürcher Übersetzung).

Mancher sagt nun: Ich bete in meinem „stillen Kämmerlein“, ich glaube an Gott, ich brauche doch die Kirche nicht. Diese Trennung gibt es im Neuen Testament nicht, obwohl das Gebet sicher auch etwas ganz Privates ist, neben dem gemeinsam gesprochenen „Unservater“ im Gottesdienst zum Beispiel. Auch im Judentum gibt es das private Gebet. Beides, Kirche und meine Glaubenspraxis gehören gemäss dem Neuen Testament zusammen. Auch wenn ich mit der Kirche nicht immer einverstanden bin, ist doch jeder eingeladen, hier seinen Glauben einzubringen und immer wieder nach dem Wort Gottes auszurichten, wie es uns mit der heiligen Schrift gegeben ist. Daran ist auch zu erinnern: Der Psalmbeter oder auch die Psalmbeterin fühlen sich grundsätzlich verbunden mit dem Volk Israel, und den Menschen, die Gott die Treue halten. Auf dieser Grundlage beten sie –aus der Gemeinschaft hinaus und wenn man so will auch wieder in die Gemeinschaft hinein. Und so beschäftigen wir uns auch beim Bibelcafé am Donnerstagmorgen im Pfarrhaussaal (s. Homepage und Kirchenbote) mit den Psalmen.

Vielleicht hilft hier ein Wort Albert Schweitzers: „Wenn ihr der Kirche fremd werdet, dürft ihr nie vergessen, sie zu lieben dafür, dass sie uns das Evangelium durch alle Zeiten hindurch gerettet hat. Dann werdet ihr den Weg zu ihr zurückfinden.“

So sind sie herzlich auch zu den Gottesdiensten und der Gemeinschaft derer, die Gott und Jesus Christus weltweit anrufen, eingeladen. Auch am nächsten Sonntag wieder. Oder beim ersten Bibelcafé nächste Woche.

Es grüsst Sie herzlich

Ihr Hans Walter Goll, Pfarrer

 

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