Wochenbesinnung

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

In diesen Tagen ist Faschingszeit. Es wird sich ideenreich maskiert, es werden bunte Umzüge veranstaltet, es wird herzhaft gelacht. Freude und Lachen sind etwas Wichtiges im Leben. Alles hat seine Zeit, sagt der Prediger Salomo. Das Weinen, aber auch das Lachen.
Und Humor ist bekanntlich, «wenn man trotzdem lacht».

Humor
Humor hat etwas Therapeutisches. Der Mensch hat die Fähigkeit zur Selbstdistanz. (Viktor Frankl) Er kann auch in der schwierigsten Situation sich bewähren, indem er trotzdem nicht den Mut verliert. Wenn er bei einem eigenen lästigen Fehler sagt: «Ich Trottel», dann ist das auch eine Art Selbstdistanz, die Freiheit schafft und die Dinge nicht so ernst nimmt.
Humor, der «trotzdem zum Lachen bringt», hilft auch in aussergewöhnlichen Situationen. In Diktaturen, in grosser Unfreiheit und Unterdrückung ist er bekanntlich ein Ventil. Wir kennen die vor 1990 blühenden Ostblockwitze, die unter der Hand erzählt wurden. Diktaturen haben immer etwas Humorloses. Ein Witz konnte einen schon ins Gefängnis bringen. Ein Ostblockwitz wurde in Bulgarien erzählt:
«Wie wird Bulgarien eigentlich mit der Energiekrise fertig?» -Wie eine Diskothek» - «Wieso??» - «Manchmal leuchtet es auf, oft ist es dunkel.» Damit wurde sich über die mangelnde Energieversorgungssicherheit lustig gemacht.
Oder: «Was ist das: Es ist kurz, zum Lachen und notfalls auch zum längeren Sitzen?» - «?» - «Ein politischer Flüsterwitz».

Wie oft ist das jüdische Volk unterdrückt oder verfolgt worden! Auch hier gibt es viel Humor. Es ist auch ein Zeichen von Demut, dass man über sich selbst lachen kann. Gott ist der zu Verehrende, nicht die eigene Person.

Saskia Landmann hat ein ganz unterhaltsames Buch über «jüdische Witze» geschrieben. Ein Beispiel daraus, zum Thema «Bahnfahren»:
«Schaffner: «Sie sitzen ja mit einem Billett zweiter Klasse in der ersten Klasse!» - Der Jude, beleidigt: «Soll ich vielleicht mit einem Billett zweiter Klasse in der dritten Klasse sitzen?» -
Oder: «Krakower: «Bitte eine Fahrkaste nach Hamburg!» Schalterbeamter: «Über Uelzen oder über Stendal?» - Krakower: «Über Pessach.» (jüdische Ostern). (Saskia Landmann, jüdische Witze, 129).

Aber es gibt auch «evangelische Witze».
So erzählt man von dem dänischen Hofprediger Lassenius (gest. 1692), der auf die Kanzel stieg und dort begann Federball zu spielen: Atemlose Spannung und Totenstille in der ganzen Kirche. Dann legte er das Spielzeug weg und sagte: «Wenn ich euch wichtige und heilige Wahrheiten verkündige, so schämt ihr Euch nicht zu schlafen; wenn ich aber Narrenpossen treibe, dann seid ihr ganz Auge und Ohr.»

Gebet
Übrigens: Auch das Gebet ist eine Form der Selbstdistanz. Eine Rede von sich selbst, über sich selbst, mit sich selbst und mit Gott. Eine grosse Hilfe im Alltag. In Freud und Leid. Die Psalmen sind voller Beispiele. Sie lohnen sich, immer wieder gelesen -oder mitgebetet zu werden. Ermutigend steht es in Psalm 65,3: «Du erhörst alles Gebet, zu Dir kommt alles Fleisch...».

So bleibt die Aufforderung, auch das Gebet in Anspruch zu nehmen. Ich wünsche Ihnen dabei auch Freude und Wohlergehen, und wenn nötig, Humor, «der trotzdem lachen kann».

 

Ihr Pfarrer Hans Walter Goll

                                                                                                                                                                                                                                         

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