Wochenbesinnung

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“
(Offenbarung 7,17)

So lautet die Losung für Samstag, den 17. November.

Tränen, Trauer, Verletzte, Tote gab es ungezählt, während des 1. Weltkriegs, dessen Ende vor 100 Jahren am letzten Sonntag in ganz Europa gefeiert wurde. Was für eine Erlösung, eine Erleichterung, dass dieser unselige Krieg zu Ende war! Auch in der Schweiz hatte er gravierende Folgen, wenngleich hier niemand hier, Gott sei Dank, in Kampfhandlungen hineingezogen wurde. In Deutschland wurde die Niederlage nicht hingenommen. Eine „Dolchstosslegende“, die den Tatsachen nicht entsprach, wurde erfunden, die vorgab, dass die Niederlage militärisch nicht gerechtfertigt war. Revolten setzten bekanntlich dem Krieg ein unumstössliches Ende. Matrosen wollten nicht mehr mit den Kriegsschiffen ausfahren, die die militärischen Führer völlig mangelhaft auf den Einsatz vorbereiteten. Einfache Mannschaftsgrade verweigerten sich an vielen Orten. Der Hochmut und die Gleichgültigkeit vieler Offiziere -auch des Oberkommandos- gegenüber dem Schicksal des einzelnen, einfachen Soldaten, die zahlreichen Leiden der Bevölkerung, viel hatten es satt. Statt Busse zu tun, sannen viele auf Rache. Sie vergassen die Weisungen Gottes, seine Gebote, die schon gebrochen waren, als man mit Triumphgefühlen 1914 in den Krieg zog, der angeblich schon an Weihnachten 1914 zu Ende sein sollte. Spontan gab es damals über die Linien übrigens kurze gemeinsame Weihnachtsfeiern, ergreifende Lieder wurden gesungen über die Schützengräben beider Seiten hinweg. Auf einmal stellte man einen Tannenbaum vor den Stacheldraht. 1918, im November, war der Krieg endlich vorbei.

 

Nachdem Krieg gab es auch Menschen, die im und am Ende des Krieges in der biblischen Botschaft Trost fanden. Ich hörte von einer fromme Christin, Katholikin in einem Dorf im französischen Jura. Sie hatte drei Kinder und sie war in Erwartung eines weiteren Kindes. Es war mitten im Krieg. Da hörte sie, dass ihr Mann gefallen war. Was für eine Trauer. Was für Tränen! Wer kann es nachfühlen? Doch keine Rachegefühle erfüllten sie. Sie erzog ihre Kinder treu und standhaft, in ärmlichen Verhältnissen. Die Enkelin erlebte ihr Ruhen im Glauben als kleines Kind und ist noch heute davon beeindruckt, wie sie mir erzählte. War der wunderbare Vers aus der Johannesoffenbarung  für diese trauernde Frau und Mutter ein Trost?: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offenbarung 7,17). So wie dieser Vers auch jeden und jeder von uns gilt, die Tränen vergiesst aus Trauer, aus einer inneren Not heraus, die nicht vorbeigehen will.

 

Helfen wir Christen mit, wo wir auch wohnen, wo auch unsere Wurzeln sind, Frieden in der Welt zu halten, Hass und Missgunst zu wehren, die immer Boden sind für sinnlose, traurige Kriege ist, die bis heute ihre sinnlosen Opfer fordern- wie in Syrien oder im Jemen zur Zeit. Und halten wir fest an der Zusage Gottes, dass er in Christus Anfang und Ende für uns ist, Friede, der kommen wird gegen alle Mächte, die dem Leben entgegenstehen.

 

Es grüsst Sie herzlich

Hans Walter Goll, Pfarrer

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