Wochenbesinnung

«Lobt Gott in den Versammlungen» (Psalm 68,27)

Liebe Leserinnen und Leser der Wochenbesinnung, des Wochenblogs!

Ja, am kommenden Sonntag hätte die Konfirmation stattgefunden. Die Tageslosung, diese Worte aus dem 68. Psalm einzuhalten, wäre uns sicher nicht schwergefallen: Gott zu loben in unserer schönen Versammlung. Alles war schon geplant. Seit Monaten. Der ganze Festtag. Kleider vielleicht schon ausgewählt. Geschenke eingekauft. Restaurants reserviert. Auch wir hatten im Konfirmandenunterricht schon den Festgottesdienst zum grossen Teil vorbereitet.

Es kam anders, als wir dachten
Nun ist es durch das Corona-Virus anders gekommen. Auch sonst sind Folgen davon überall spürbar, bis tief ins Leben des Einzelnen.
Sicher spüren Sie dies auch. Im privaten Leben, im Beruf vielleicht oder sonst. Veränderungen, die man vor Monaten einem Zukunftsroman zugeordnet hätte. Auch einem Albtraum, wenn man all die Ereignisse zum Beispiel in Italien sieht. In den Spitälern und auf den Friedhöfen. Was für eine Trauer! Was für eine Ohnmacht. Unser Mitgefühl mit all den Opfern, mit den unablässig Pflegenden und tapferen Ärzten. Auch hier bei uns ist die Lage angespannt. Viele Verantwortliche geben ihr Bestes. Ihnen sei herzlich gedankt.

Applaus für die Helfer
Mit Recht trifft man sich in vielen Ländern und applaudiert um eine bestimmte Zeit dem Pflege- und medizinischen Personal, das Übermenschliches leisten muss. Religiöse Versammlungen hat man so auch untersagt. Wann gab es dies einmal in der Geschichte? Das sonst so stärkende Miteinander ist so nicht mehr da, dass auch zum regelmässigen Gottesdienst gehört.  Wahrscheinlich werden wir einmal die reale Gemeinschaft mehr schätzen lernen, wenn all diese Einschränkungen einmal vorbei sind. Auch den Händedruck, das Aufeinander zuzugehen und nicht merkwürdige Auseinanderlaufen beim Spaziergang, als hätte man etwas gegen den anderen. Das ruhige Zuhören und Umarmen, statt die «Soziale Distanzierung», die uns Menschen letztlich fremd ist. In der Gefahr hielt man doch immer zusammen. Jetzt aber heisst es: Abstand halten. Gut, dass wir Menschen Verstand haben (oder haben sollten) und dies einsehen können.

Gott ist da
Der 68. Psalm spricht vom Sieg Gottes über seine Feinde. Bedrängte Gläubige, das Volk Israel, die Hugenotten in Frankreich, und viele andere in der Geschichte haben diesen Psalm immer wieder ganz gebetet.
Und wir? Und ich? Wir sind durch diesen Psalm, durch dieses Wort aufgerufen, auf Gott zu vertrauen. Auf seine Kraft und Macht, die uns jetzt manchmal weit entfernt scheint. Wo ist Gott, in dieser Zeit. Eine Antwort des Glaubens ist: Er ist mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus bei allen erschöpften Pflegern und Pflegerinnen, Ärzten und Ärztinnen, bei den Kranken, den Sterbenden. Er ist auch bei uns, in der Einsamkeit, in der Angst um die eigene Gesundheit, um die Angehörigen, um liebe Menschen, um diese leidende Welt, die zusammenrücken muss statt auseinanderdriften. Das hat sie lange genuggetan.

Christus ist gegenwärtig, trotzdem
Jesus Christus spricht: «Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.» (Matthäus 28,20). Das heisst, er ist auch da im Sterben, im Tod und darüber hinaus. Wir brauchen keine Angst zu haben.
Und im Psalm 68, Vers 20 steht das realistische, aber auch ermutigende Wort «Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.»

 

Ich wünsche Ihnen, bleiben sie gesund und behütet.

Ihr Pfarrer Hans Walter Goll

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