Wochenbesinnung

Epheser 5,15-17-19

Tut die Augen auf! Seht auf euren Weg!
Seht auf alles, was ihr tut, und tut es mit
Sorgfalt und wachem Gewissen.
Lebt nicht töricht in den Tag hinein, sondern
seht euch die Welt an, in der ihr lebt,
in die Gott euch gestellt hat. Jeder Augenblick
hat eine Chance in sich. Nützt sie!
Versäumt sie nicht! Denn es geschieht genug
Böses in unseren Tagen. Überlegt
euch, was Gott euch aufgetragen hat, und
handelt, wie es eurem Glauben entspricht.
Denn weise handeln heisst, so leben, dass
der Glaube sichtbar wird.
Begeistert euch in Psalmen, singt und
musiziert dem Herrn in eurem Herzen und
dankt, wo immer ihr seid, was immer ihr
tut, Gott, dem Vater, für alles.

Miyazawa Kenji hat einmal folgende Wünsche für sich aufgeschrieben:

(Im letzten Jahrhundert war er einer der beliebtesten Dichter und Kinderbuchautoren Japans. Er kümmerte sich auch um die Lebensbedingungen der Bauern. Er förderte zudem die damals beliebte Weltsprache Esperanto.)

So möchte ich werden
Regen kriegt ihn nicht unter
Wind kriegt ihn nicht unter,
Schnee und Sommerhitze kriegen ihn nicht unter,
sein Leib ist gesund.
Gier kennt er nicht, nie braust er auf,
er ist immer ruhig und lächelt.
Tag für Tag isst er billigen Reis
Und Bohnenmus und ein bisschen Gemüse.
Ohne an das Seine zu denken,
sieht und hört und versteht er gut alle Dinge.
Und vergisst sie nicht.
Auf dem Feld, im Schatten des Kiefernwäldchens,
wohnt er in einer kleinen Schilfhütte.
Ist im Osten ein Kind krank,
geht er hin und schaut nach ihm.
Ist im Westen eine Mutter müde,
geht er hin und trägt die Reisgarbe.
Ist im Süden ein Mann am Sterben,
geht er hin und sagt: Habt keine Angst.
Ist im Norden Streit und Rechthaberei,
sagt er: Lohnt sich’s denn? Macht Schluss!
Herrscht Trockenheit, kommen ihm die Tränen.
Ist der Sommer kalt, geht er bedrückt dahin.
Alle sagen zu ihm: Du bist nicht ganz gescheit.
Loben tut ihn keiner.
Niemand kümmert sich um ihn.
So ein Mensch möchte ich werden.
Miyazawa Kanji

 

Ja, schöne Wünsche sind das. Wünsche, die guttun und gute Absichten sind.
Im neuen Jahr haben wir viele Vorsätze und Ziele. Wünsche können umgesetzt werden. Zumindest als Ziele. Das ist auch gut so. Der Geschäftsführer eines Fitnesscenters in Chur sagte mir neulich: «Ja, im Januar, da ist bei uns immer viel los. Das ist wohl wegen der «Vorsätze» im neuen Jahr». Nützt eure Zeit aus, sagt der Apostel Paulus. Im Original heisst es «Kauft die Zeit aus». Also konsumiert nicht irgendwas, sondern achtet auf die Zeit, die euch geschenkt wird. Der Apostel Paulus meint damit auch, dass Gott uns auch eine Aufgabe gestellt hat in dieser Welt. Unser Leben ist nicht unbedeutend. Nein, es ist ihm ganz wichtig. Wir können unser Leben für den Dienst im Sinne Gottes nützen und einsetzen, neben den persönlichen Wünsche für uns, die da sind und die uns auch guttun.

Das heisst dann auch: Sich nicht nur um sich selbst kümmern, sondern auch weise zu handeln. Mit Sorgfalt und gutem Gewissen zu handeln, in dieser «bösen» Zeit, wie es Paulus ganz nüchtern ausdrückt.

Und der Dank ist wichtig. Der verwandelt mich. Der macht meine Seele hell. Deshalb ist es gut und heilsam, die Psalmen zu beten. Musik zu machen bringt auch Freude. Mit ihnen können wir alles vor Gott, unseren Schöpfer und Erretter bringen, was uns bewegt, was uns beschwert und was uns freut und Hoffnung macht. Die Psalmen können wir sogar singen.

Eines gilt aber auch, bei all unseren Wünschen und Plänen. Und nicht alles müssen wir werden, wir müssen auch nicht perfekt werden, wir sind schon Gottes Kinder. Das ist das Entscheidende. In Christus, der uns befreit hat zu einem neuen Leben mit Gott. Der uns immer wieder in die Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen ruft.

Es grüsst Sie herzlich

Hans Walter Goll, Pfarrer

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