Wochenbesinnung

Advent -eine Überraschung wird gefeiert

Unter diesem Text sieht man zwei Bilder. Aus einer französischen Nachrichtensendung  vor gut einer Woche.

Sie stammen aus im Süden Frankreichs, der Cote d› Azur und betreffen auch die Seealpen. Normalerweise, vor allem im Sommer und Frühling ist dies eine wunderbare Gegend. Wieviele suchen hier Erholung und Freude. Strand, Sonne, Entspannung sind angesagt. Vielleicht haben Sie die Gegend auch schon einmal besucht.

Nun diese Bilder sind ganz überraschend. Starke, langanhaltende Regenfälle haben grosse Überschwemmungen im Tal unterhalb der Seealpen verursacht. Strassen, Häuser, Fabriken, Sportplätze unter Wasser. Wohnungen voller Schlamm. Wir fühlen mit den Bewohnern in der Mittelmeergegend mit.
In unserem Val Parghera zwischen Chur und Domat/Ems gab es etwas Ähnliches. Wie viel Aufwand wurde hier getrieben, um eine Schutzzone in einem Gefahrengebiet zu errichten!

Ja, dort in Südfrankreich: Auf einmal sah alles anders aus. All das Normale, das Gewohnte war auf einmal anders.  Es werden sicher und hoffentlich Konsequenzen aus diesen Naturereignissen der letzten Jahre in diesem jetzt dicht bebauten Gebiet am Fusse der Berge dort gezogen. Viele Menschen dort sind verzweifelt.

Was ist Advent?
Advent ist -positiv- gesehen auch eine Überraschung, ein Einbruch von etwas Neuem. Es wird nämlich in jedem Kirchenjahr am Anfang seit langer Zeit bewusst angezeigt:
«Liebe Christen, es gibt für Euch noch etwas anderes, als das Bestehende, das Herkömmliche, an das ihr und wir uns alle gewöhnt haben.»

Allzusehr gewöhnt vielleicht. Und dazu hat unser Kirchenjahr eine Art «Marschhalt» gelegt. : «Geht nicht direkt auf Weihnachten zu», sagt der Marschhalt. Oder verliert euch in der Konsumwelt. Black Friday hin oder her…..Haltet inne zuerst. Stellt euch nicht der Welt gleich, wie es im Römerbrief, Kapitel 12,2 heisst.

In spezieller Weise hat Rudolf Otto Wiemer diese Veränderung beim Namen genannt.

In dunklen Tagen
Haltet in den dunklen Tagen euer Herz bereit!
Tannen werden Lichter tragen und die leuchten weit.

Leuchten in der Nächte Schweigen und im kalten Wind.
Sterne werden sich bezeigen, die noch ferne sind.

Schon erglüht ein heimlich Gleissen in der Mitternacht.
Denn ein Kind ist uns verheissen, das uns fröhlich macht.

Und die Himmel werden ragen über alle Zeit.
Haltet in den dunklen Tagen euer Herz bereit.

Was heisst aber «Sein Herz bereit halten?
Ja, ich denke, sein Herz bereit halten heisst: Nicht stehenbleiben, nicht sich mit dem Bestehenden sich zufrieden geben, sondern sich verwandeln lassen von der Liebe Gottes. Von seiner Gegenwart. Den Wandel bewusst feiern und leben. Ein modernes Adventslied (EG 379) lautet:

«Die Nacht geht zu Ende, es nahet schon der Tag. Das Volk in Nacht und Sklaverei soll wissen, wer sein Heiland sei. Urplötzlich kommt für Nah und Fern der Menschensohn, der Morgenstern...Schaut an den Baum, vom Wind zerzaust, erstarrt und kahl, vom Sturm umbraust. Der Frühling kommt: Ein Reis entspriesst, und Kraft durch alte Zweige fliesst.»

Gott möchte seine Welt erneuern
Also ein positive Überraschung für alle Menschen. Gott will seine Welt erneuern. In Jesus Christus hat er sie schon erneuert. Er lässt niemand allein. Er will jeden von uns aufsuchen. Befreien zum neuen Leben. In der Geborgenheit der Liebe Gottes.

Advent heisst: Offen sein für Verwandlungen, Neuanfänge. Auch mit Gott.

Heisst aber auch für andere Dasein. An andere Denken.  Auch dann verändert sich, verwandelt sich ein Stück diese Welt. Ein jüdisches Sprichwort besagt: «Wer einen Mensch gerettet hat, hat die ganze Welt gerettet». Das ist ein kleines Abbild von der grossen Veränderung, die wir am Ende der Zeit erwarten, mit Jesus Christus unserem Herrn. Viele von uns tun das auch, helfen Menschen in diesen Tagen, bereiten Geschenke liebevoll vor, planen Begegnungen, besuchen Einsame, spenden für einen guten Zweck. In unseren Kirchgemeinden laden wir Menschen zu Adventsfeiern ein.

Selbstlose Hilfe
In dem Überschwemmungsgebiet in Frankreich sah man übrigens im Fernsehen viele selbstlose Helfer. Es gab viel Solidarität. Das half bei aller Not. Voller Dankbarkeit waren viele, denen von den zahlreichen Freiwilligen ohne viel Aufhebens geholfen wurde. Wer hätte das so gedacht? Auch eine positive Überraschung.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit.
Ihr Hans Walter Goll, Pfarrer

Gebet zur Adventszeit:
Herr, segne diese Adventszeit. Für jeden von uns. Auch für unsere Nächsten. Schenke uns deinen Frieden. Er gilt jedem von uns. Stärke unseren Glauben. Stärke unsere Verbindung mit deinem Sohn Jesus Christus, dessen Kommen wir wieder feiern dürfen. Und erneure mit deinem guten Geist unsere Verbindung zu unseren Mitmenschen. Mach uns offen und hilfsbereit für die Zukunft deines Reiches. Amen.

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