Wochenbesinnung

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
(2. Kor 5, 17)

Jubilate!

Jubilate – Jubelt! So heisst dieser Sonntag mit seinem alten lateinischen Namen. Er gehört noch in die Osterzeit. Die Freude über das Neue, über das Wunder der Auferstehung ist noch ganz frisch. Es ist ein Frühlingssonntag: Die blühenden Bäume, die zwitschernden Vögel, die Farben der Blumen passen zu dieser freudigen Stimmung. Neues Leben überall! Es zieht die Menschen nach draussen, wir machen die Fenster auf und geniessen die Sonne.

„Wir jubeln dir zu, ewiger Herr, und erbitten in Freude und Fröhlichkeit, dass sich unsere Herzenstüren, wenn sie sich bei deinem Lob öffnen, immer zum Bekenntnis von Erbarmen und Wahrhaftigkeit  auftun. Amen.“

Vor über 1000 Jahren hat Ansgar, der erste Bischof Hamburgs, so gebetet. Er ist ungefähr um die Zeit geboren, als hier in Domat/Ems das Kirchlein Sogn Pieder erbaut wurde. Ein altes Gebet aus einer alten, fremden Welt – und doch sind die Worte und Gedanken so frisch und aktuell geblieben.

 Wir heutigen Menschen kennen doch das gleiche Gefühl, dass wir aufblühen, uns öffnen, aus uns herausgehen, wenn wir uns freuen und dankbar sind für Gutes, das wir erleben. Und ist es nicht heute noch das, was wir am meisten brauchen, Ehrlichkeit und Mitgefühl, ein gutes Miteinander? Und dass die Freude und Dankbarkeit  nicht abgelöscht werden, sondern wachsen und sich ausbreiten können? Weil Erbarmen und Wahrhaftigkeit das ist, was Jesus ausmacht, ist das für Ansgar ein Bekenntnis. Wer so lebt, folgt dem Beispiel Jesu, lebt in der neuen Schöpfung. Darum seine Bitte: Dass, wenn uns im Gotteslob über das Schöne, das wir sehen, das Herz aufgeht, wir diese Dankbarkeit darin zeigen, dass wir Jesus nachfolgen.

 „Erbarmen und Wahrhaftigkeit“ als Bekenntnis unseres Glaubens: Ein schöner Gedanke, ein schönes Gebet - ob in uralter Zeit für den katholischen Bischof im Norden, oder heute für uns reformierte Christen im Süden.  „Wir jubeln dir zu, ewiger Herr, … in Freude und Fröhlichkeit.“ Vereint über Kilometer und Jahrhunderte bitten und danken wir miteinander in Gottes guter, neuer Schöpfung. Jubilate! Jubelt mit!

Pfarrerin Viola Schenk

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