Wochenbesinnung

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Ps 66, 20)

Grundvertrauen - ich bin es wert, gehört und gesehen zu werden

Wer kennt es nicht, das Gefühl, dass man mit seinem Anliegen nicht gehört und nicht ernstgenommen wird. Es ist unglaublich frustrierend und entmutigend. Schon bei ganz kleinen Kindern kann es schlimmen seelischen Schaden anrichten, wenn sie immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass sie ignoriert werden - sie zum Beispiel weinen und niemand darauf reagiert. Das schreien und jammern wird natürlich irgendwann aufhören, aber nicht, weil das Kind gelernt hat, "brav zu sein", sondern weil es gelernt hat: Ich bin nicht wert, dass jemand nach mir schaut. Und das ist etwas Schreckliches. Wir Erwachsenen ahnen die Tiefe dieser Frustration nur, wenn wir einmal mit etwas "nicht durchkommen", das uns am Herzen liegt. Aber nachvollziehen können wir es durch unsere bewussten Erfahrungen, wie es dann erst so einem kleinen Wesen gehen muss. Aber heisst das, einem Kind jeden Wunsch zu erfüllen und auf jede Bitte sofort mit Ja zu reagieren? Das wissen wir Erwachsenen auch: Das ist unmöglich. Aber zwischen "Ja, sofort" und ignorieren liegen ja, je nach Situation, noch sehr viele andere Möglichkeiten. Auch ein Nein kann richtig sein - aber das hinhören und hinsehen ist wichtig. Wir wissen es selbst, ein Vorschlag, der einfach übergangen wird, nagt an uns. Ein Vorschlag, der nach einer Beratung verworfen wird, längst nicht so. Es geht uns Menschen, kleinen wie grossen, darum, gesehen und gehört, als Person wichtig genommen zu werden.

Der Wochenspruch aus Psalm 66 bezeugt eine Erfahrung mit Gott. Ein Mensch hat erlebt: Gott sieht und hört mich. Gott nimmt meine Anliegen ernst. Er schiebt sie nicht zur Seite, er "verwirft" sie nicht. Auch dieser Mensch wird erlebt haben, dass Gott kein Automat ist, der "auf Knopfdruck" Wünsche erfüllt. Trotzdem ist da die Gewissheit: Gott hört mir zu - und Gott meint es gut mit mir. Ein Kind, das wahrgenommen wird und ernstgenommen wird, kann mit einem Nein umgehen und wird mehr und mehr auch Geduld und Warten, Kompromisse und Verzicht lernen. Es weiss: Ich bin wichtig, und ich werde gesehen und gehört. Das gibt ein Urvertrauen. Das ist übrigens auch für ein gutes Miteinander als Erwachsene eine enorm wichtige Basis! Mit diesem Grundzutrauen in die eigene Person und ins Leben kann man viel gelassener in Diskussionen Widerspruch aushalten, deutlicher seine Position vortragen und leichter miteinander zu einer Lösung kommen. Der Psalm macht uns Mut, an dieser Stelle aus unserem Glauben Kraft zu schöpfen. Gott nimmt dich wichtig. Gott hört deine Bitten. Gott wendet sich nie ab von dir. Gott meint es gut. Dieses Grundvertrauen im Glauben kann in uns wachsen und uns tragen - auch in schwierigen Zeiten. Auch, wenn wir vielleicht das Gefühl haben, übersehen zu werden, unterzugehen. Vielleicht macht es uns ja Mut, etwas auch bei Menschen anzusprechen, wenn wir wissen: Gott ist bei mir und hört mir zu. Auf jeden Fall lädt uns dieser Psalmvers ein, uns immer wieder mit allem, was uns bewegt, an Gott zu wenden. Denn Gott schiebt unser Gebet nicht zur Seite. Gott wendet sich nicht von uns ab. Gott meint es gut mit uns!

Viola Schenk Pfarrerin

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