Wochenbesinnung

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. (Psalm42,3)

Von der Heimat und vom Reisen und von der Sehnsucht
Es ist Sommer, und es sind Schulferien. Viele packen voller Vorfreude die Koffer, fahren in die Ferien. Andere bleiben daheim, planen lange Tage in der Badi, Velotouren, ausschlafen… Vielleicht sind sie neidisch auf die, die verreisen.
Fernweh und Träume vom Reisen kennen wir wohl alle. Dem Alltag, dem Vertrauten entfliehen.

Und da sind zwischen uns Menschen, die leben aus Koffern und Rucksäcken, manche seit Wochen, andere seit Jahren. Sie sind mit unbestimmtem Ziel, ohne zu wissen, ob und wann sie zurückkehren werden losgereist. Überstürzt, manche heimlich. Nicht in die Ferien, sondern wirklich auf die Flucht sind sie gegangen, und auch wenn sie erzwungenem Arbeitsdienst, Diktatur, Diskriminierung, Bürgerkrieg, russischen Bomben, dem Terror islamistischer Milizen entkommen sind: Sie haben so vieles zurückgelassen, ihre Heimat verloren, liebe Menschen, Nachbarn, Verwandte. Und die Unterkunft bei Verwandten, bei Gastfamilien, in einem Asylzentrum oder schon einer Wohnung ist nur Heimat auf Zeit. Wonach sie sich am meisten sehnen?

Der Psalm, aus dem der Monatsspruch für den Juli genommen ist, redet von der Sehnsucht nach Gottes Nähe als dem Ort, wo die Seele auftanken kann. Er redet auch von Menschen, die freudig auf Reisen gingen in friedlichen Zeiten: Die als Pilger zum Tempel zogen, mit anderen zusammen, die diese Eindrücke genossen, sich noch lange gern daran erinnerten. Und er redet von Gefahren, von Wasserfluten, von Feinden, die die Betenden bedrängen. Und dazwischen die sich widerstreitenden Stimmen: Hat uns Gott verlassen? Wo ist Gott? Und: Gott ist da. Gott wird uns helfen.

Ich musste dabei an die Menschen denken, die aus so unterschiedlichen Motiven heraus unterwegs sind, für die Heimat und Ferne so unterschiedlich klingt: Die, die freiwillig und die, die aus der Not heraus auf Reisen gehen.
Fernweh oder Sehnsucht nach der Heimat - und dazwischen Sehnsucht nach Gottes Nähe, nach Trost und Ermutigung. Und Hoffnung, dass am Ende doch der Dank für Gottes Hilfe steht.

Ich wünsche den Reisenden, dass sie behütet ihr Ziel erreichen. Den Erholungssuchenden, dass sie zur Ruhe kommen. Denen in Not und auf der Flucht, dass sie Hilfe finden. Uns allen, dass wir Gottes Nähe suchen und sie erfahren.

Pfarrerin Viola Schenk

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